Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Deutschunterricht und seine Didaktik in der Primarstufe

Lehr-/Lernphilosophie

Mein persönliches Verständnis von Hochschullehre

Als Lehrkraft für besondere Aufgabe an der Humboldt-Universität verstehe ich mich als bewusster Akteurin der Demokratiebildung, indem ich mich konkret für deren Verankerung in der Lehrkräftebildung einsetze. Im Hinblick auf die Förderung deutschdidaktischer Kompetenzen (Sprachgebrauch) habe ich für meine Bachelor- und Masterseminare vielfältige Unterrichtskonzepte entwickelt, die den demokratischen Sprachgebrauch in der Grundschule in allen Tätigkeitsfeldern des Deutschunterrichts betonen und für eine Pädagogik des gegenseitigen Respekts und des "kollaborativen Lernens und Lehrens" eintreten. Angehende Lehrkräfte können so von Beginn ihrer Ausbildung an zu einer kritischen Reflexion über pädagogische Beziehungen und auch über ihren eigenen mündlichen und schriftlichen Gebrauch der Sprache(n) angeregt werden. (Selbst-)Reflexion und berufliche Entwicklung sind also untrennbar miteinander verbunden, und der Deutschunterricht wird zur Plattform für eine ethische Pädagogik, in der Sprechen, Zuhören, Schreiben und Lesen als reflexive Sprachpraktiken gelehrt und erfahren werden.

Kollaboratives Lernen und Lehren greift spezifische Werte auf: In dieser Hinsicht liegen die konzeptionellen Herausforderungen in den Seminarformen im Kontext meiner Lehrprojekte und meiner Arbeit in der universitären Lernwerkstatt. Verständnis für Machtverhältnisse, friedliche Konfliktlösung, Elemente respektvoller Beziehungen, persönliche Entwicklung und Identitätsfindung, Kreativität, Wertschätzung jedes Einzelnen, Fairness, Toleranz, ethische Pädagogik, Sichtbarkeit und Transparenz, Bewusstheit und Ehrlichkeit, Achtsamkeit, Empathie, Selbstbestimmung und Partizipation, Authentizität, Emanzipation gehören zu den Lehr- und Lernprinzipien, die die Studierenden beanspruchen und einfordern, es sind die Bausteine einer demokratischen Gesprächskultur, ein gemeinsames Lernen im Kontext der Demokratie, die ich lebe und durch meine didaktische Haltung vermittle.

Glücklicherweise ist die Humboldt-Universität eine international ausgerichtete Universität mit Lehrkräften aus allen kulturellen und sprachlichen Hintergründen in allen Fakultäten. Dies gilt auch für mich. Wie Sie wahrscheinlich wissen, bin ich Französin; ich bin mit Französisch als Muttersprache aufgewachsen. Meine Mehrsprachigkeit gibt mir nicht nur die Möglichkeit, mit Sprachen sensibel umzugehen, sie zwingt mich auch dazu. Wenn der Sinn, Zweck und die Funktion der Universität nur darin bestünden, Wissen zu vermitteln, das stark in einer Kultur, einer Gesellschaft und einer nationalen Weltanschauung verankert ist, hätte ich als ausländische Mitarbeiterin in einem sprachdidaktischen Kontext viel um meine Legitimität zu kämpfen. Da die Universität jedoch eine partizipative Lernkultur, Selbstbestimmung, Selbstorganisation und Selbstverantwortung propagiert und versucht, Wissen in seiner angewandten Form zu vermitteln, indem sie kritisches Denken und freie Meinungsäußerung nicht nur toleriert, sondern auch fördert, werden den zahlreichen Akteur*innen auch sprachliche Räume eröffnet, in denen sie durch Entdecken und Fragen stellen nach Problemlösungen suchen und ihre eigenen Antworten kreieren können. Werte wie Gruppenzusammenhalt, Zugehörigkeit und Solidarität nehmen eine zentrale Stellung im Seminar ein und haben, wenn sie gelebt werden können, auch eine zentrale Wirkung. Dies sind die Grundlagen, die Studierende und Lehrende erfahren sollten, um gemeinsam zu neuen Erkenntnissen zu gelangen, die wiederum in die Schulen übertragen werden, indem z. B. eine offene Fehlerkultur etabliert wird. In solchen Lehr-Lern-Formaten fördere ich Wege, gemeinsam zu denken, anstatt kritiklos auswendig zu lernen. Wo es möglich ist, zusammen zu sein und miteinander zu sprechen, entstehen kreative Beziehungen, ohne die kein bewusster und verantwortungsvoller Lernprozess stattfinden kann. Es wird ein neues Rahmenprogramm entwickelt, das auf der Vermittlung von Werten statt auf der bloßen Vermittlung von Wissen beruht, das auf der Erfahrung dieser Werte statt auf der bloßen Vermittlung dieser Werte beruht, in dem die gesamte Aufmerksamkeit der Lernenden auf das Suchen, Erforschen, Entdecken und Schaffen von neuem Wissen gerichtet ist und in dem die menschlichen Beziehungen, die in solchen Kontexten entstehen, als Grundlage unserer akademischen Lernkultur anerkannt werden.

Die drei Fragen, die ich den Studierenden zu Beginn des Semesters stelle, lauten: "Was muss in diesem Kurs geschehen, damit Sie am Ende sagen können, dass es sich gelohnt hat? Was haben Sie dann dazu beigetragen? Was sollte hier nicht passieren?" Damit trete ich für eine Lehr-Lern-Haltung ein, in der jeder seine eigene Integrität und seine Grenzen wahrnimmt, formuliert und verteidigt: Dies hilft uns, anspruchsvolle Lehr-Lern-Situationen aktiv zu bewältigen, Ressourcen kollegial einzusetzen und Handlungen zu verstehen: Durch einen konstruktiven Dialog auf Augenhöhe berücksichtigen wir die Interessen und das subjektive Verständnis von Lehr-Lern-Verhalten. In diesem Sinne sind meine Tätigkeitsbereiche als Lehrkraft mit Begriffen wie Gleichwürdigkeit, Selbstreflexion und Selbstwirksamkeit verbunden: Sie beeinflussen mein zukünftiges Handeln insofern, als jede Kurserfahrung das Potenzial hat, sich auf meinen ethischen akademischen Werdegang und meine Handlungsoptionen auszuwirken, indem ich konsequent den nächsten Schritt der Veränderung mit der größten Wirkung umsetze.