Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Allgemeine Grundschulpädagogik

Nele Borchers (Dissertation, Stand: Januar 2021)

Doing couple: Wen kümmert Beziehungsarbeit?

Die Promotion beschäftigt sich mit Paarbeziehungen und in diesen inhärenten Macht- und Ungleichheitsverhältnissen aus einer geschlechtersensiblen Perspektive. Untersucht wird ‚Beziehungsarbeit', ein explorativer Begriff, mit dem der Versuch unternommen wird, Selbst- und Fürsorgeleistungen der Partner*innen füreinander und die gemeinsame Beziehung sichtbar zu machen.

Beziehungsarbeit steht dabei im Spannungsfeld von (Selbst-)Optimierung, allgemeinem Autonomieimperativ und gesamtgesellschaftlich vorherrschender Paarnormativität. Abhängigkeit/Bedürftigkeit und Angewiesen-Sein sind in Beziehungsarbeit – als eine spezifische Form von (Care-)Arbeit – vorausgesetzt; können aber vor dem Hintergrund individualistischer Paarnomen als (potenziell) konflikthaft vermutet werden. Eine ungleiche Verteilung und Ausgestaltung von Beziehungsarbeit kann in der Folge ein Ausdruck geschlechtsspezifischer Ungleichheit sein.

Obschon in populärkultureller Ratgeber*innenliteratur einige Anhaltspunkte für Beziehungsarbeit gefunden werden können, taucht sie nicht in der akademischen Paarforschung auf. Beziehungsarbeit fällt dabei nicht nur aus einer geschlechtersensiblen Betrachtung, sondern auch aus der gesamten Re-/Produktionsarbeitsdebatte heraus, in dessen Fokus vor allem die Familie und die Fürsorgearbeit für Kinder stehen. Trotz der im Care-Diskurs thematisierten Ungleichheit von Fürsorgearbeit zwischen den Geschlechtern wird die gegenseitige Fürsorge in Paarbeziehungen marginalisiert.

Mithilfe eines wissenssoziologisch-sozialkonstruktivistischen Ansatzes, der das Paar aus relationaler Ebene betrachtet, soll deshalb beleuchtet werden, wie geschlechtsspezifische Muster von Beziehungsarbeit – in einer Verschränkung von ‚doing couple' und ‚doing gender' – Eingang in die Paarrealität finden und welche Mechanismen diesen vorgelagert sind. Paarinterviews sollen junge kinderlose Paare aus dem akademischen Milieu – in welchem männliche Hegemonie das (rhetorische) Gleichheitspostulat häufig unterläuft – zur Sprache bringen.

 

Kontakt: Nele Borchers