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Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Vergleichende und Internationale Erziehungswissenschaft

Unterschiedliche Welten der Meritokratie?

Schulische Leistungsbeurteilung und Verteilungsgerechtigkeit in Deutschland, Schweden und England im Zeitalter der „standards-based reform“

 

Ihrer normativen Selbstdefinition zufolge sind alle westlich-demokratischen Gesellschaften "Meritokratien", d. h. soziale Rollen und Lebenschancen sollen auf der Basis von individueller Leistung bzw. Leistungsfähigkeit vergeben werden, nicht auf Basis von askriptiven Merkmalen wie etwa den in der Familie verfügbaren finanziellen Ressourcen. Das Leitideal der Meritokratie ist jedoch relativ abstrakt; wie es konkret institutionell umgesetzt wird, kann sich beträchtlich unterscheiden. Dies stellt die Ausgangsbeobachtung des Projekts dar.

Die Leistungsbeurteilung in der Schule stellt einen Schlüsselmechanismus der Zuweisung von Lebenschancen auf meritokratischer Grundlage dar. Um als legitim anerkannt zu werden, muss die Leistungsbeurteilung in der Schule als gerecht wahrgenommen werden, d. h. gewissen Prinzipien der Verteilungs-, Verfahrens- und Interaktionsgerechtigkeit folgen. Was jedoch als gerecht und legitim gilt und welche Allokationsentscheidungen aus den vorgenommenen Leistungsbeurteilungen folgen, unterscheidet sich erheblich je nach betrachtetem Land bzw. betrachteter Akteursgruppe.

Diese Unterschiede sind der Untersuchungsgegenstand des Projekts. Es untersucht die Konzeptionen von Verteilungs-, Verfahrens- und Interaktionsgerechtigkeit, die der institutionellen Struktur der Leistungsbeurteilung in der Schule in Deutschland, Schweden und England unterliegen. Erfasst werden nationale sowie akteursgruppenspezifische Variationen. Konkret werden folgende Bereiche und Akteursgruppen betrachtet:

  • die Regularien, die den (rechtlichen) Rahmen der Leistungsbeurteilung in der Schule darstellen
  • Lehrer
  • Schüler
  • Prüfungsinstanzen wie z. B. die englischen examination boards und
  • Schulinspektoren.

 

Das Projekt konzentriert sich auf das Ende der Sekundarstufe I als wichtiger Selektionsschwelle in allen drei untersuchten nationalen Kontexten.

Besonders interessieren im Zusammenhang des Projektes die Auswirkungen der “standards-based reform”. Alle drei Vergleichsländer wurden von dieser internationalen Reformwelle erfasst, wenn auch zu unterschiedlichen Zeitpunkten und mit unterschiedlichen Schwerpunkten. In allen drei Fällen hat sich dies massiv auf die institutionelle Struktur der Leistungsbeurteilung ausgewirkt.