Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Erziehungswissenschaften

Informationen für Schülerinnen und Schüler


Liebe Schüler und Schülerinnen,

diese Seite ist extra für euch eingerichtet worden, damit ihr euch informieren, diskutieren, beteiligen könnt. Stöbert also in Ruhe auf unserer Web-Seite und bringt eure Gedanken, Ideen und Meinungen zur Sprache. Wir freuen uns schon auf eure Anregungen!


Wer sind wir und was machen wir?

Wir sind eine Gruppe von Wissenschaftler/innen und Lehrer/innen, die sich für das Projekt „ETiK“ an der Humboldt-Universität zusammengeschlossen hat. „ETiK“ ist eine Abkürzung aus dem langen Projekttitel: „Entwicklung eines Testinstruments zur … Erfassung moralischer Kompetenzen, bezogen auf den Ethik-Unterricht an öffentlichen Schulen“.

Als Projektgruppe haben wir es uns zur Aufgabe gemacht, in Erfahrung zu bringen, was Schüler und Schülerinnen im Alter von 15 Jahren im Ethik-, LER oder Philosophie-Unterricht gelernt haben und wie sie mit diesem Wissen umgehen. Um dies herauszufinden, entwickeln wir Aufgaben, mit deren Hilfe sich die Fähigkeiten der Schülerinnen und Schüler beschreiben lassen.

Die Themen für unsere Testaufgaben haben wir Schulbüchern für den Ethikunterricht, Zeitungsartikeln, Gedichten, Romanen und anderem entnommen. Natürlich haben wir auch in die Lehrpläne hineingeschaut, denn dort steht ja drin, was Schülerinnen und Schüler alles lernen sollen.


Warum entwickeln wir solche Tests?

In der Schule habt ihr Unterricht in verschiedenen Fächern und lernt dort Dinge, die ihr woanders so nicht lernen könntet. Im Mathe-Unterricht lernt ihr beispielsweise die Prozentrechnung kennen und könnt damit die Zinsen berechnen, die ihr für eure Ersparnisse bekommt. Im Ethik-Unterricht werden Themen besprochen, die sich auf die Führung eines guten Lebens beziehen. Bearbeitet werden zum Beispiel Themen wie „Was ist der Mensch?“, „Was ist Freundschaft?“, „Was bedeutet Technik in verschiedenen Ausformungen und Kulturen?“

Wie beim Mathe-Unterricht gehen auch hier Lehrpläne und Richtlinien davon aus, dass euch diese Themen in eurem Leben immer wieder begegnen werden und dass der Unterricht an Schulen ein wichtiger Ort ist, um sich mit diesen Themen grundlegend zu befassen.

Schulleistungstest wie z.B. PISA versuchen zu überprüfen, was Schülerinnen und Schüler im Schulunterricht für ihr Leben gelernt haben. Mit ihrer Hilfe soll ermittelt werden, welche Kompetenzstufen Schülerinnen und  Schüler in bestimmten Bereichen erreicht haben und wie sich das Können der Schülerinnen und Schüler in den unterschiedlichen Ländern unterscheidet. Diese Tests sind für Deutsch, Mathe, die Naturwissenschaften und Englisch als Fremdsprache entwickelt und eingesetzt worden.

Das Ziel unseres Projektes ist es weiter, dass wir mit Hilfe unserer Testaufgaben beschreiben können, wie gut Schüler und Schülerinnen mit alltäglichen moralischen Themen umgehen können. So wird es z.B. Aufgaben zum Thema Diebstahl geben, die ganz verschiedene Sichtweisen aufnehmen (vielleicht des Stehlenden, des Bestohlenen oder der Polizei). Da Diebstahl auch ein Thema im Ethik-, LER- oder Philosophie-Unterricht ist, gehen wir dann davon aus, dass alle Schüler unsere Aufgaben besser bearbeiten können als ohne diesen schulischen Unterricht.


Wie könnt ihr helfen?

Bei der Konstruktion von Testaufgaben gehen wir also von Themen aus wie sie sich in Lehrplänen und Schulbüchern finden. Zu solchen Themen denken wir uns Aufgaben aus, von denen wir annehmen, dass ihr sie versteht und bearbeiten könnt. Da wir das aber nicht ganz sicher wissen, ist es für uns besonders wichtig, dass wir unsere Aufgabenvorschläge mit euch ausprobieren können. Dies nennt man auch Pretest (Vortest).

Die Pretests fragen nach eurem Verständnis moralischer Grundbegriffe oder euren Lösungen der von uns beschriebenen Probleme. Oft machen wir euch in unseren Aufgaben dann Lösungsvorschläge, von denen ihr denjenigen heraussuchen sollt, der euch am wahrscheinlichsten erscheint. Wir haben aber auch einige Aufgaben entwickelt, bei denen wir euch erst mal nach allen euren Gedanken und Ideen fragen, bevor wir an dieser Aufgabe weiter arbeiten.

Nach solchen Pretestungen sind wir dann in der Lage, Stufen des Könnens (dies heißt in der wissenschaftlichen Sprache: Kompetenzstufen) zu erstellen. Die Beschreibung einer Kompetenzstufe beinhaltet dann alle Elemente, die jemand beherrscht, der eine Aufgabe dieser Stufe lösen kann. Auf einer Stufe hieße es beispielsweise:


Der Schüler kann einfache Auffassungen zum Thema Glück verstehen und seinen Umgang damit beschreiben.


Eine darauf aufbauende Stufe könnte lauten:


Der Schüler kann verschiedene Auffassungen von Glück erkennen, sie gegeneinander abgrenzen, gewichten und einen Umgang damit finden.


Mit unseren Pretestungen können wir mehrere Stufen bestimmen, die aufeinander aufbauen. So wird es ein Ergebnis unseres Projektes sein, ethische Kompetenzen von einem sehr niedrigen bis zu einem hohen Niveau beschreiben zu können.

Die Arbeit im Projekt konzentriert sich derzeit auf die Entwicklung von Aufgaben für 15-Jährige, allerdings haben wir auch schon mit der Arbeit an Aufgaben für die Abiturstufe begonnen.


Wie könnt ihr mitwirken?

Durch Stellungnahmen zu unseren Themen, eigene Vorschläge und genaue Hinweise könnt ihr unsere Arbeit wesentlich unterstützen: Ihr seid herzlich eingeladen, uns eure Fragen, Themen und Interessensgebiete zu schicken. Wir freuen uns besonders über konkrete Vorschläge, die vielleicht schon als Frage in einem Test ausprobiert werden können.

Eure Vorschläge nehmen wir in unsere Arbeit auf und denken mit euch zusammen über eine weitere Entwicklung nach. Auf diese Weise habt ihr die Möglichkeit, uns zu zeigen, was euch interessiert, welche Fragen ihr für besonders wichtig haltet und wie ihr sie Lösen würdet. Dabei zeigt ihr uns sicherlich viele neue Herangehensweisen ans Thema, an die wir gar nicht gedacht haben.

Damit ihr nach dieser theoretischen Beschreibung mal eine genaue Idee von unserer Arbeit bekommt, haben wir euch hier einige Themen aufgeschrieben, zu denen wir Aufgaben entwickelt haben. Im Anschluss findet ihr dann noch eine vorläufige Aufgabe, die inzwischen weiterentwickelt wurde.


Themen aus bisher entwickelten Aufgabenkomplexen

Grundbegriffe / Grundfragen der Ethik und Moral: Sprichworte, Regeln des Zusammenlebens, Diebstahl, Lüge

Diebstahl: Darf man Stehlen? Wann darf man stehlen? Welche Meinungen gibt es dazu?

Würde: Was ist das? Was heißt: die Würde achten? Ist jeder Mensch immer gleich?

Recht und Gerechtigkeit: Grundlagen, Perspektiven, Begründungen

Gemeinschaft: Freundschaft, Schulklasse, Stadt

Individuelle Perspektiven auf Moral und Ethik: meine Meinung, die Meinung anderer und rechtliche, politische oder religiöse Standpunkte


Aufgabenbeispiel

Die Aufgabenkomplexe, die wir entwickeln, haben immer ein bestimmtes Thema. Zu diesem Thema lest ihr in der Regel einen kurzen Text, der in das Thema einführt. Im Anschluss daran stellen wir unsere Aufgaben, die oft Lösungsvorschläge anbieten. Die vorgegebenen Lösungsmöglichkeiten müssen immer so formuliert sein, dass sie möglicherweise eine Lösung zu der gestellten Frage sind. Erst wenn ihr alle Möglichkeiten gelesen habt, sollt ihr durch Nachdenken die Antwortvorgabe finden, die hier die richtigere unter allen Vorschlägen ist. Es ist also nötig, alle Antworten auf ihre richtigen und vielleicht falschen oder widersprüchlichen Aussagen zu prüfen.

Wir präsentieren euch hier eine Aufgabe, die inzwischen weiterentwickelt worden ist und in den Tests so nicht mehr verwendet wird. Sie knüpft an einen literarischen Text an, in diesem Fall an Christine Nöstlingers Essay „Moralisch unterwegs“. In diesem Essay ist von verschiedenen Moralauffassungen von Christines Familienmitgliedern und den Beziehungen zwischen diesen Auffassungen die Rede. In freier Anlehnung an Christine Nöstlingers Text haben wir eine Aufgabe mit Fragen formuliert, die nur beantwortet werden können, wenn die verschiedenen Standpunkte der Familienmitglieder nachvollzogen werden.

In Christines Familie gestattet die Moral der Mutter das Stehlen, wenn es zum Wohle anderer geschieht, während die Großmutter das Stehlen generell ablehnt. Der Großvater wird durch seine Nikotinsucht zum Stehlen „verleitet“, die ältere Schwester ist dagegen ein „gutes Kind“ und stiehlt nie. Christines Vater schließlich kennt nur einen Grundsatz: Man sollte immer versuchen herauszufinden, was man in moralischer Hinsicht für „richtig“ und was man für „falsch“ hält und dann das Richtige tun. Das Schlimmste für ihn ist es, eine solche Entscheidung gar nicht zu treffen oder etwas zu tun, das man selber nicht für das Richtige hält.

 

1.

 

Nach der Vorstellung des Vaters sollte man sich immer bemühen, zwischen richtigen und falschen moralischen Einstellungen und Entscheidungen  zu unterscheiden. Warum könnte das Stehlen der Mutter in den Augen des Vaters richtig sein?

 

 

 

A

 

 

 

Das Stehlen war richtig, weil die Mutter es nicht für sich getan hat.

 

 

 

 

 

B

 

 

 

Das Stehlen war richtig, weil die Mutter nach ihrem Gewissen gehandelt hat.

 

 

 

 

 

C

 

 

 

Das Stehlen war richtig, weil die Mutter einen guten Grund dazu hatte.

 

 

 

 

 

D

 

 

 

Das Stehlen war richtig, weil die Mutter es für ihre Kinder getan hat.


Nun habt ihr unsere Arbeitsweise kennen gelernt und ein Aufgabenbeispiel gesehen. Wir würden gerne von euch wissen, welche der vier Antworten für euch am richtigsten ist und wieso.

Ihr könnt uns aber auch ganz neue Fragen oder Aufgabenvorschläge zukommen lassen. Je genauer eure Fragen oder Aufgaben sind, umso besser! Wir werden alle Vorschläge anschauen, bearbeiten und euch in jedem Fall eine Rückmeldung geben!

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