Direkt zum InhaltDirekt zur SucheDirekt zur Navigation
▼ Zielgruppen ▼
  Zielgruppenmenü

Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Lehrbereich Historische Bildungsforschung

Forschung

Forschungsprofil

 

Abstract des Dissertationsprojekts

 

Arbeitstitel: „Figurationen hochschulischer Lehrkörper. Erziehungswissenschaftliche Analysen kooperativer Lehrpraxis an Hochschulen.“

 

In dem Forschungsvorhaben geht es um empirisch begründete Rekonstruktionen von Momenten kooperativen Lehrhandelns an Hochschulen. Dabei wird der These nachgegangen, dass Kooperation – im Sinne von intendiertem Zusammenwirken − eine empirisch relevante, also als solche erkennbare und im Zusammenhang der Reformbestrebungen in Studium und Lehre als zunehmend verbreitete Praxis an Hochschulen beschrieben werden kann.

So hat beispielweise die programmatische Zielstellung einer modularisierten Studienstruktur dazu geführt, das sich nunmehr Institute und Fakultäten intensiv und explizit mit Lehre, ihrer Struktur und ihren Inhalten sowie auch mit dem Zweck ihres Tuns auseinandersetzen (vgl. Terhart 2005). Gleichzeitig und durchaus diskrepant dazu herrscht, sowohl in der Praxis der Gestaltung von Studium und Lehre als auch in der theoretischen Diskussion darum, die klassische Vorstellung von Hochschullehrenden als von in Einsamkeit und Freiheit Handelnden (vgl. Schelsky 1963), die maximal autonom und lediglich in einer losen Kopplung (vgl. Weick 1976) mit Anderen agieren.
Mit anderen Worten: im Lehrkörper, als einer Gemeinschaft von Lehrenden zur Gestaltung eines Studienangebots, vollzieht sich ein Wandel vom Nebeneinander zum Miteinander der Beteiligten.

Zur Konzipierung eines empirischen Zugangs zu dieser hochschulischen Handlungspraxis wird, mittels einer praxistheoretischen Perspektive (vgl. Reckwitz 2016), auf fundierte Erfahrungen im Feld rekurriert. Lehre als Praxisform zu begreifen, bietet hierbei einen methodologischen Rahmen, der es nahelegt, die dem Handlungszusammenhang je eigene Kollektivität im Sinne einer spezifischen Figuration (vgl. Elias 1970) zu rekonstruieren. Dessen Form wird über die Art und Weise entschieden, wie die am Diskurs Beteiligten interaktiv aufeinander Bezug nehmen und darüber spezifische Formen fundamentaler Sozialität ihren Ausdruck finden (vgl. Bohnsack/Przyborski 2010).

Analysegegenstand sind Transkripte einschlägiger Gesprächssituationen unterschiedlicher Couleur. Damit wird einem explorativ-rekonstruktiven Anspruch gefolgt, der eine kontrastive Breite in Bezug auf Gruppenzusammensetzungen und Zielstellungen intendiert: Von einem herkömmlichen Gremium (akademische Selbstverwaltung) bis hin zu neuen, aber auch kurzfristigeren Zusammenschlüssen (wie Modulkonferenzen, Curriculumentwicklungen, kollegiale Lehrentwicklungsprojekte). Neben der zusätzlichen Differenzierung in unterschiedliche Hochschultypen, wird eine Engführung und Vergleichbarkeit des Materials über die fachliche Kontextualisierung im Bereich der Lehre in SAGE-Studiengängen (Sozialen Arbeit, Gesundheit und Erziehung) veranschlagt.

Mit den Ergebnissen der Studie soll direkt an die Debatte um eine Professionalisierung der Hochschullehre angeschlossen werden. Dabei zielt die Untersuchung weniger auf die Elaboration der Beschreibung professioneller Selbstverständnisse der Lehrenden als vielmehr auf die Frage nach Veränderungen unmittelbarer sozialer Kontexte, die Professionalisierungen erlauben oder gar erzwingen (vgl. Reh 2004), sowie deren erziehungswissenschaftlichen Implikationen.