Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Mathematik in der Primarstufe

Em. Prof. Dr. Bernd Wollring

 

 

Em. Prof. Dr. Bernd Wollring

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Humboldt-Universität zu Berlin
Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche FakultätInstitut für Erziehungswissenschaften
Mathematik in der Primarstufe
Friedrichstraße 194-199
Raum 210

(Postanschrift: Unter den Linden 6, 10099 Berlin)
Rufnummer: 030/2093-66800

 

 

 

 

 

 

 

 


 

Vom 1.5.1974 bis zum 30.9.1974 verwaltete ich eine Assistentenstelle an der Universität Mün­ster. Zu­sam­men mit meinem Doktorvater, Prof. W. Jäger, wechselte ich im Oktober 1974 nach Hei­delberg. Vom 1.11. 1974 bis zum 1.4.1977 war ich Promotionsstipendiat des Cu­sa­nus-Werkes. Die Promotion An­wen­dung sta­biler Ho­mo­topie bei Existenzsätzen für nichtlineare Glei­chun­gen schloss ich am 17.1.1978 ab.

Vom 1.4.1977 bis zum 19.7.1978 verwaltete ich eine Assistentenstelle im Fach Mathematik an der Pä­da­go­gi­schen Hochschule Westfalen-Lippe, Abteilung Münster und wurde am 16.2.1978 zum Wissen­schaft­li­chen Assi­sten­ten ernannt mit dem Aufgabenbereich Forschung und Lehre im Be­reich der Didaktik der Ma­thematik.

Von 1981 bis 1997 war ich Mitherausgeber der Zeitschrift Stochastik in der Schule (Beendigung mei­ner­seits wegen sich häufender Aufgaben beim Dienstantritt in Kassel).

Vom 1.2.1982 bis zum 31.3.1983 leistete ich, von der Universität Münster beurlaubt, am Be­zirks­se­mi­nar Mün­ster den verkürzten Vorbereitungsdienst für das Lehramt an Gymnasien in den Fä­chern Mathematik und Physik und legte am 19.1.1983 die Zwei­te Staats­prüfung ab.

Seit dem 1.10.1983 war ich an der Universität Münster im Zentrum Wissenschaft und Praxis mit der Or­ga­ni­sa­tion der Schul­prak­ti­schen Studien aller Lehrämter befasst und parallel dazu am In­sti­tut für Didaktik der Ma­the­matik mit Forschung und Lehre zur Di­dak­tik der Ma­thematik und der eige­nen Durchführung Schul­prak­ti­scher Studien. Am 1.2.1984 erfolgte die Er­nen­nung zum Aka­de­mi­schen Rat, am 1.4.1986 die zum Aka­de­mi­schen Oberrat.

Am 24.5.1995 erhielt ich am Fachbereich Mathematik der Universität Münster die venia legendi für Di­dak­tik der Mathematik (Thema der Habilitationsschrift: Qualitative empirische Unter­su­chun­gen zum Wahr­schein­lichkeitsverständnis bei Vor- und Grund­schul­kindern.) Die For­schungen wur­den durch zwei Sach­bei­hilfen der Deut­schen For­schungs­ge­mein­schaft (DFG) gefördert.

Im Wintersemester 1994/95 habe ich eine C2-Professur am Fachbereich Erziehungs­wissen­schaft der Uni­ver­si­tät Hamburg ver­treten, im Sommersemester 1995 eine C3-Professur zur Di­daktik der Ma­the­matik am Fach­be­reich Mathe­ma­tik der Uni­ver­sität Münster. Im Wintersemester 1995/96 und im Som­mer­se­me­ster 1996 habe ich eine C4-Professur für Ma­thematik und ihre Didaktik am der Erziehungs­wis­sen­schaft­li­chen Fa­kultät der Uni­ver­sität zu Köln vertreten und im Som­mer­se­me­ster 1996 Lehraufträge an den Uni­ver­si­tä­ten Dortmund und Mün­ster wahr­ge­nom­men.

Seit dem 26.8.1991 hatte ich in Münster die Prüfungs­be­rechtigung im Fach Mathematik für das Lehr­amt der Pri­marstufe, die gleiche Prüfungsberechtigung hatte ich an der Universität zu Köln und habe sie bis heute (2015) an der Universität Kassel..

Am 12.8.1996 erhielt ich einen Ruf auf eine C4-Professur für Erziehungswissenschaft unter be­son­derer Be­rück­sichtigung der Didaktik der Mathematik an der Universität Hamburg, den ich am 7.1.1997 wegen des Rufs aus Kassel abge­lehnt habe. Am 7.12.1996 erhielt ich einen Ruf auf eine C4-Professur für Didaktik der Mathematik am Fach­bereich Mathematik der Universität GH Kassel, den ich am 10.4.1997 an­ge­nommen habe. Die Auf­ga­ben umfassen fachdidaktische, fachinhaltliche und schul­praktische For­schung und Ausbildung in Ma­the­matik für die Lehramtsstudiengänge der Pri­mar- und der Se­kun­darstufe. Die Forschung erstreckt sich ne­ben dem Schwerpunkt Fach­di­dak­tik auch auf inter­dis­zi­pli­nä­re Bezüge einschließlich Themen der Leh­rer­fortbildung. Ich bin seit­dem prüfungs­be­rech­tigt im Fach Mathematik und in der Didaktik der Ma­the­ma­tik für Lehr­äm­ter aller Stufen.

An der Universität Kassel habe ich ein Mathematikdidaktisches Labor für die Grundschule neu auf­ge­baut, das sich konzeptionell mit der Grundschulwerkstatt am Fachbereich Erziehungs­wis­sen­schaft und den an­de­ren Studienwerkstätten ergänzt. Mein Arbeitsschwerpunkt Di­dak­tik der Geometrie für die Grund­schule (heute eher bezeichnet als „Raum und Form“) wurde durch eine Sachbeihilfe der DFG un­ter dem Ti­tel „Codieren von Raumvorstellung in Kin­derzeichnungen“ gefördert. Ich bin an der Universität Kas­sel Mit­glied der Interdisziplinären Ar­beits­grup­pe Grundschulpädagogik (IAG), Mitglied im Vor­stand des Zentrums für Lehrerbildung (ZLB) und ge­hö­re den Jurys an, die den Georg-Forster-Preis für hervorragende interdisziplinäre Arbeiten und den Martin-Wagenschein-Preis für hervorragende wissenschaftliche Hausarbeiten im Lehramt vergeben.

Ich widme mich in Kassel neben der universitären Lehre und Forschung in be­sonderem Maße neu­en Kon­zepten Schul­prak­tischer Studien und intensiver Zu­sam­men­arbeit mit allen Ebe­nen der Leh­rer­fort­bil­dung: Ich gestalte Einzel­ta­gun­gen, mehr­tägige Lehr­gänge und Qualifika­tions­maß­nah­men in Hes­sen, in an­deren deut­schen Bun­des­län­dern, in Italien, in Öster­reich, in der Schweiz und in Tsche­chien.

Von 1977 bis 2006 war ich Mitglied des Beirats der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM). Dort ver­tre­te ich das Ressort Grundschule. Zudem war ich Mitglied der Jury, die den Förderpreis der GDM vergibt. Der Beirat der GDM wählte mich 2001 in das Team der Herausgeber des Journals für Ma­the­ma­tik­di­dak­tik (JMD), der Zeitschrift der Gesellschaft für Didaktik der Mathematik (GDM), diese Arbeit führte ich von 2001 bis 2003 durch (Beendigung wegen zunehmender Aufgaben für die Hessische Lan­des­re­gie­rung). Ich gehörte der Fachgruppe Mathematik der interna­tio­na­len Ver­gleichs­studie IGLU an und war gut­ach­tender Mitarbeiter des Schweizer Schulbuchs mathbu.ch.

Im Jahre 2002 erarbeitete eine vom hessischen Kultusministerium und vom Hessischen Ministerium für Wis­senschaft und Kunst eingesetzte Expertengruppe unter meiner Leitung Vorschläge zur Aktualisierung der Lehrerbildung in Hessen, die das 2004 neue entstehende Lehrerbildungsgesetz in Hessen mit vor­be­rei­teten. Die Vorschläge wurden weitgehend in das seit 2004 geltende Gesetz übernommen.

Im Jahre 2002 erhielt ich einen Ruf auf eine C4-Professur für Didaktik der Mathematik an der Universität Ol­denburg, den ich im Sommer 2003 abgelehnt habe.

Seit dem Sommer 2003 leitete ich gemeinsam mit Prof. Andrea Peter-Koop das von der Europäischen Union geförderte Sokrates-Comenius-2.1-Pro­jekt zur Lehrerbildung Communicating Own Strategies in Mathematics Teaching (COSIMA), an dem Wis­senschaftler und Lehrer aus Groß­bri­tan­ni­en, Tschechien und Deutschland beteiligt waren. Ferner war ich an dem von der Europäischen Union geförderten Sokrates-Comenius-2.1-Projekt Initiating Innovative App­roaches in Teaching Mathematics (IIATM) zur Leh­rerbildung mit Partnern in Groß­bri­tan­nien, Grie­chen­land, Tschechien und Deutschland beteiligt.

An der Universität Kassel habe ich mich im eigenen Fachbereich Mathematik, später im Fachbereich Mathematik und Naturwissenschaften im Fachbereich engagiert und drei Jahr das Amt des Dekans wahrgenommen. Besonderes Interesse und Engagement habe ich dem fachbereichsübergreifenden Zentrum für Lehrerbildung an der Universität Kassel gewidmet. Seit seiner Gründung 2001 bin ich Mitglied im Vorstand, geleitet habe ich es von 2006 bis 2011. Das Zentrum hat neben administrativen Aufgaben insbesondere den Auftrag durch fachbereichsübergreifende Projekte und Strukturen der Lehrerbildung in Kassel ein spezifisches Profil zu geben.

Im Rahmen der Kasseler Forschergruppe zur empirischen Bildungsforschung habe ich gemeinsam mit Prof. Helmut Vogt (Biologie) ein DFG-Projekt zu Schülerbearbeitungen von Modellbildungen in den Fächern Biologie und Mathematik durchgeführt.

Seit 2011 bin ich Mitglied im Team der Aufgabenentwickler zu VERA3. Seit 2015 bin ich Mitglied im Wissenschaftlichen Beirat der Stiftung Haus der kleinen Forscher“.

Seit dem 31. März 2015 bin ich in den Ruhestand versetzt.

In den vergangenen Jahren habe ich meine Lehr und Forschungsaktivitäten in eine bestimmte Richtung akzentuiert. Maßgebend waren drei Ideen, die ich im Austausch mit deutschsprachigen und angelsächsischen Kollegen bestätigt fand und ausgebaut habe:

  • Lifelong learning. Lebensbegleitendes Lernen von Lehrkräften in Grundschulen, so meine Eindrücke aus den angelsächsischen Ländern, erfordert aktives stetiges Engagement seitens der Universitäten. Dort habe ich mich seit Jahren in großem Umfang engagiert, sowohl mit Angeboten für Multiplikatoren als auch mit Angeboten für Klassenlehrkräfte. Zum einen leiste ich damit als Vertreter einer Universität einen Beitrag zur Aktualisierung des Unterrichts. Zum anderen dient mir dies zum „Fühlung halten“ und als unschätzbare Quelle zur laufenden informellen Evaluation und Aktualisierung meiner eigenen Lehrangebote und Positionen.
  • Bildungsstandards, Akzent auf „Raum und Form“. Die Bildungsstandards zur Mathematik skizzieren in allen mir bekannten Entwürfen verschiedener Länder ein aktuelles Mathematikbild, das für die Grundschule insbesondere dadurch charakterisiert ist, dass es über die Fertigkeiten hinaus die Strategien betont und mathematische Inhalte über die Arithmetik hinaus als gleichrangig bedeutsam ausweist. Darin finde ich insbesondere meine seit langem vertretene Position gestärkt, den Inhaltsbereich „Raum und Form“ in der Lehrerbildung auszubauen. Dem widme ich mich schwerpunktmäßig im Design von Lernumgebungen und in entsprechenden Akzentsetzungen in Lehrplankommissionen, Lehrangeboten und empirischen Untersuchungen.
  • Diagnostische Kompetenzen. Lernstandsbestimmung und Maßnahmen zur individuellen Förderung von Grundschulkindern im Fach Mathematik erfordern mathematikdidaktische diagnostische Kompetenzen im Sinne einer handlungsleitenden Diagnostik. Gemeinsam mit Prof. Andrea Peter-Koop und australischen Freunden und Kollegen aus der Arbeitsgruppe um Prof. Doug Clarke an der ACU in Melbourne habe ich seit 2005 interviewbasierte Werkzeuge dazu entwickelt und in die Ausbildung und Fortbildung von Lehrkräften eingebracht (EMBI). Darüber arbeite ich seithinaus bin ich seit 2010 gemeinsam mit Prof. Kristina Reiss, Prof. Jens-Holger Lorenz und Prof. Hedwig Gasteiger an der Gruppe der Aufgabenentwickler der Vergleichs­arbeiten zur Mathematik im 3. Schuljahr (VERA3) beteiligt und seit 2012 an dem Projekt VERA-RE, das sich mit differenzierten Rückmeldungen zu den Aufgaben an Lehrkräfte befasst.