Humboldt-Universität zu Berlin - Kultur-, Sozial- und Bildungswissenschaftliche Fakultät - Institut für Erziehungswissenschaften

Promotionsprojekt „Phänomenologisch-empirische Rekonstruktion pädagogischer Erfahrung unter besonderer Beachtung von Negativität als konstitutives Element in Lehr- und Lernprozessen"

 

Irritation, Scheitern, Enttäuschung, aber auch Überraschungen, Staunen und „Aha-Effekte“ sind seit langem Teil lern- und bildungstheoretischer Diskussionen und werden gemeinhin unter dem Sammelbegriff „Negativität“ verhandelt. Dabei steht die Annahme im Mittelpunkt, dass in der negativen Erfahrung Altes in Frage gestellt wird, neue Horizonte eröffnet werden und der Lernende eine Erfahrung über sich selbst macht.

Theoretisch ist dieses Feld bereits ausdifferenziert: Neben diskurshistorischen, subjekttheoretischen und anthropologischen, erziehungsphilosophischen, bildungstheoretischen und phänomenologisch-lerntheoretischen Studien bildet sich in jüngster Zeit ein Diskurs zum transformatorischen Aspekt der Negativität heraus. Was jedoch die empirische Rekonstruktion von Erfahrungen der Negativität im Zusammenspiel mit didaktischen Technologien im Schulunterricht betrifft, finden sich im engeren Sinne noch keine Arbeiten. Zudem ist die Frage nach der generellen Inszenierbarkeit negativer Erfahrungen weiterhin ungeklärt.

Vor diesem Hintergrund lassen sich in grundlagentheoretischer, methodologischer und lehr-lerntheoretischer Ausrichtung folgende Fragestellungen ausweisen:

 

  • Welche Rolle spielen negative Erfahrungen im Lern- und Bildungsprozess?
  • Wie können negative Erfahrungen empirisch rekonstruiert und analysiert werden?
  • Ist das Lernen durch Negativität ein sich der Inszenierung entziehendes Kontingenzphänomen oder kann es durch didaktische Technologien ermöglicht werden?

 

Ziel der Arbeit ist eine ordnende Bestimmung bzw. phänomenologische Neudimensionierung des Terminus „Negativität“, eine bildungstheoretische Reflexion empirischer Zugriffe auf Erfahrungen der Negativität sowie die Eröffnung einer didaktischen Perspektive auf das Phänomen der Negativität.

Dabei soll aus phänomenologischer Perspektive zuerst nach unterschiedlichen Erfahrungen der Negativität gefragt werden, worauf die dabei gewonnen Einsichten produktiv mit bestehenden Theorien zum Negativitätslernen in Bezug gesetzt werden. Mittels ethnographischer Beobachtung und Videographie werden dann schulunterrichtliche Lehr-Lernsituationen erfasst, die im Rahmen einer qualitativ-phänomenologisch orientierten Videoforschung analysiert und anschließend systematisiert und kontrastiert werden.