Arbeit am (un)gerechten Lehrplan. Eine historisch-vergleichende Lehrplananalyse für die Deutsche Demokratische Republik (DDR) und die Bundesrepublik Deutschland (BRD) (1945–1990)
(DFG-Projekt im Rahmen des SFB 1750 [in:just], geleitet durch Marcelo Caruso und Daniel Töpper)
Projektbeschreibung
Das Vorhaben untersucht, wie soziale Normen von Teilnahme und Teilhabe in Lehrplanarbeit eingeschrieben wurden und welche Rolle dabei verschiedene gesellschaftliche Öffentlichkeiten spielten. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie Gerechtigkeits- und Partizipationsvorstellungen zwischen 1945 und 1990 in den Arenen der Lehrplanarbeit, der Fachöffentlichkeit und der allgemeinen Öffentlichkeit verhandelt, konkretisiert und schließlich in curriculare Inhalte, Leistungsanforderungen und Kompensationsregelungen übersetzt wurden. Im Rahmen des Projektes wird Lehrplanarbeit dabei nicht als bürokratisch-internen Vorgang begriffen, sondern als öffentliche Arbeit an gesellschaftlichen Normvorstellungen. Auf der Grundlage von policy- und diskursanalytischen Verfahren werden Dokumente der Lehrplanarbeit sowie Beiträge aus Fach- und allgemeiner Presse für drei Fallstudien ausgewertet: das reformorientierte Hessen, das konservative Bayern sowie die zentralstaatlich organisierte DDR. Der Vergleich dieser drei Fälle erlaubt es, unterschiedliche Muster sozio-öffentlicher Lehrplanarbeit und differierende Gerechtigkeitskonzeptionen sichtbar zu machen. Das Vorhaben rekonstruiert dabei, wie Versuche, Öffentlichkeit in Lehrplanprozesse einzubeziehen und darüber demokratische Legitimität herzustellen, organisiert wurden und wie sich hierin Aushandlungen um Gerechtigkeit vollzogen. Es versteht sich als historischer Hintergrund der Gegenwartsforschung des SFB [in:just] zu Inklusion, Anerkennung und Gerechtigkeit.
Projektfinanzierung
Das Projekt wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Sonderforschungsbereichs 1750 [in:just] gefördert.
Projektleitung
Prof. Dr. Marcelo Caruso, Daniel Töpper
Projektteam
Wissenschaftliche Mitarbeiter:innen: Dr. Katharina Lux
Studentische Mitarbeiter:innen: Anna Ganzleben, Oscar Meyer